Betriebliche Gesundheitsförderung als eine moderne Unternehmensstrategie
Betriebliche Gesundheitsförderung ist eine moderne und vorausschauende Unter-nehmensstrategie.
Sie beruht auf einer fach- und berufsübergreifenden Zusam-menarbeit und
kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle innerbetrieblichen Schlüsselpersonen
dazu beitragen. Dialog und Kooperation zwischen Fachleuten, Interessenvertretern
und Entscheidungs-trägern erleichtern ihren Erfolg.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Beschäftigte und Unternehmen
unter-liegen ständigen Veränderungen. Eine Grundlage für wirtschaftlichen
bzw. beruf-lichen Erfolg besteht in der Fähigkeit, die genannten Veränderungen
zu erkennen und ihnen mit optimalen Maßnahmen zu begegnen. Unternehmen
investieren daher häufig in neue Produkte oder Pro-duktionsverfahren, Beschäftigte
erwerben neues Wissen und neue Qualifikationen. Anpassungen an veränderte
Rahmen-bedingungen erfolgen gegenwärtig in immer kürzeren Zeitabständen,
sodass die Zukunftsplanungen jedes Beschäftigten und Unternehmens sehr sorgfältig
sein müssen, um Fehlentscheidungen, die zu unnötigen Kosten führen,
zu vermeiden.
Unbefriedigende Produktionsbedingungen können unnötige Kosten durch
z.B. erhöhten Arbeitszeitbedarf, erhöhten Roh-stoffeinsatz oder spätere
Nachbesserun-gen verursachen. Produktionsbedingte Gesundheitsstörungen,
Arbeitsunfälle und abnehmende Motivation im Arbeitsumfeld senken die Leistungsfähigkeit
der Beschäftigten und verursachen Mehr-kosten.
Die Güte von Produktionsbedingungen ist Spiegelbild der Planungssorgfalt.
Durch die Einbeziehung der betroffenen Mit-arbeiterinnen und Mitarbeiter mit
deren praktischen Erfahrungen lassen sich noch auf der Planungsebene optimierte
Pro-blemlösungen erarbeiten. Neben dem Ziel, Produktionskosten (Rohstoff-,
Energiebe-darf usw.) zu senken, soll der Planungs-prozess zu innerbetrieblich
akzeptierten, ergonomisch günstigen Arbeitsplatzbedingungen führen.
Vermeidbare Kosten durch produktionsbedingte Gesundheitsprobleme
sollen möglichst ausgeschlossen werden.
Gute Gründe für betriebliche Gesundheitsförderung
Betriebe, die Gesundheitsförderung als Aufgabe erkennen, widmen der Gesund-heit
der Beschäftigten ihre Aufmerksam-keit, überprüfen, inwieweit
die Kommuni-kation und die Abläufe im Betrieb und die Arbeitsbedingungen
allgemein gesund-heitsverträglich sind.
Gesunde, motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter bilden für jedes Unternehmen
das notwendige Fundament, um den Erfolg des Unternehmens zu sichern und zu verbessern.
Je mehr ein Unternehmen die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
wichtig nimmt und unterstützt, desto mehr eröffnen sich Chancen zur
Förderung von Wohlbefinden und Gesundheit auf der einen und wirtschaftlicher
Produktivität auf der anderen Seite. Investitionen in Gesundheit kommen
dem Einzelnen genauso zugute wie dem Betrieb ins-gesamt.
Viele Studien belegen, dass ein schlech-tes Betriebsklima, überfordernde
oder auch unterfordernde Arbeitsaufgaben, unzureichende Informationen und Transparenz
von Betriebsabläufen und Betriebsentscheidungen, falsche Arbeits-organisation,
schwelende, unausge-sprochene Konflikte unter Beschäftigten sowie führungsschwache
Vorgesetzte beeinträchtigende Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten
haben.
Hohe Krankenstände oder auch wenig motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
sind Warnzeichen für betriebliche Miss-stände.
Nach einer Umfrage des Bundes-verbandes der Betriebskrankenkassen können
deutsche Betriebe von positiven Effekten betrieblicher Gesundheits-förderungsaktionen
profitieren:
>> Rückgang des Krankenstandes,
>> Rückgang der Fluktuation,
>> Erhöhung der Produktion ,
>> Verbesserung der Produkt- bzw. Dienstleistungsqualität,
>> Verbesserung der inner-betrieblichen Kooperation,
>> Verbesserung der Corporate Identity,
>> Verbesserung des Unternehmens-image.
Aus Sicht der Beschäftigten kann dieser Untersuchung zufolge Gesundheitsförderung
folgende Pluspunkte bringen:
>> Verringerung von Arbeitsbelastungen,
>> Verringerung gesundheitlicher Beschwerden,
>> Steigerung des Wohlbefindens,
>> Verbesserung der Beziehung zu Kollegen und Vorgesetzten,
>> mehr Freude bei der Arbeit,
>> Verbesserung des Wissens und praktischer Fähigkeiten zu gesundem Verhalten
in Betrieb und Freizeit.
Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderung
Die betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen
von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit
und Wohlbefinden am Arbeits-platz. Dieses Ziel kann durch eine Ver-knüpfung
folgender Ansätze erreicht werden:
1. Verbesserung der Arbeitsbedingungen,
2. Verbesserung der Arbeitsorganisation,
3. Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung,
4. Stärkung von persönlichen Möglichkeiten, Gesundheit zu sichern
und zu fördern.
Gesundheitsfördernde Aktivitäten können mit kleinen Schritten
beginnen: Ein „Tag der Gesundheit“ im Betrieb, eine Woche „gesunde
und schmackhafte Ernährung“ in der Kantine, Rückengymnastik am
Arbeitsplatz, Kursangebote zum Thema „Stressabbau“.
Diese kleinen Schritte können am Anfang stehen, um Gesundheitsförderung
einen wichtigen Stellenwert im Betrieb zu geben.
Betriebliche Gesundheitsförderung, die sich an den folgenden vier Leitlinien
der Luxemburger Deklaration von 1997 aus-richtet, verspricht nach den heutigen
Erkenntnissen den größtmöglichen Erfolg:
1. Beteiligung: Die gesamte Beleg-schaft wird einbezogen und kann sich direkt
zu Wort melden, wenn es um die Analyse gesundheitlicher Proble-me und die Entwicklung
konkreter Verbesserungsvorschläge geht.
2. Integration: Der Aspekt der Gesund-heitsförderung sollte bei allen
wichti-gen Entscheidungen und in allen Unternehmensbereichen berücksichtigt
werden. Beteiligung Integration Projektmanagement Ganzheitlichkeit Leitlinien
3. Projektmanagement: Alle Maßnah-men und Programme sollten systematisch
durchgeführt werden: Bedarfsanalyse, Prioritätensetzung, Planung, Ausführung,
kontinuierliche Kontrolle und Bewertung der Ergebnisse (siehe BGF 2* „Betriebliche
Gesundheitsberichterstattung“ und BGF 4 „Evaluation betrieblicher
Gesundheitsförderung“).
4. Ganzheitlichkeit: Betriebliche Gesundheitsförderung beinhaltet sowohl
verhaltens- als auch verhältnisorientierte Maßnahmen. Sie verbindet
den Ansatz der Risiko-reduktion mit dem des Ausbaus von Schutzfaktoren und
Gesundheitspotenzialen. Mitarbeiter zu befähigen, sich gesundheitsverträglich
zu verhalten, ist ebenso Ziel wie gesund-heitsfördernde Arbeitsbedingungen
zu schaffen, die ein gesundheitsgerechtes Verhalten ermöglichen.
Damit Gesundheitsförderung verlässlicher Teil der Unternehmensstrategie
wird, können Betriebsrat und Betriebsleitung entsprechende Betriebsvereinbarungen
abschließen.
Literatur:
Badura, B. u. a. (1997): Partnerschaftliche Unternehmenskultur und betriebliche
Gesundheitspolitik. Fehlzeiten durch Motivationsverlust, kostenlos zu bestellen
bei Verlag Bertelsmann Stiftung, Tel.:05241/817-0, Fax: 819513.
Diese nur knapp 60 Seiten starke Broschüre beschreibt kurz und gut verständlich
Grundlagen einer modernen, betrieblichen Gesundheitsförderungspolitik.
Ansätze betrieblicher Gesundheitsförderung, Elemente gesundheitsförderlichen
Führungsverhaltens werden ebenso thematisiert, wie Kooperationsmöglichkeiten
der Akteure in Unternehmen.
Bamberg, Ducki, Metz (Hrsg.), 1998: Handbuch Betriebliche Gesundheitsförderung.
Hogrefe Verlag. Göttingen.
Dieses Standardwerk fächert die Bandbreite der Thematik auf: Von betriebswirtschaftlichen
Aspekten, der Einführung in die Theorie bis hin zu praktischen Beispielen
aus Unternehmen.
