Tipps für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen
Der Begriff Rheumatismus steht als Sammelbezeichnung für rund 450
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Zum rheumatischen
Formenkreis werden alle vorübergehenden oder chronischen, mit
Schmerzen oder Funktionsverlust einhergehenden Störungen des Bewegungsapparates
und der Stützorgane, also der Muskeln, Sehnen, Gelenke,
Bänder und Muskelhüllen zusammengefasst.
Die Ursachen der rheumatischen Erkrankungen sind unterschiedlich, allen
gemeinsam sind Schmerzen und Funktionseinschränkungen des Bewegungsapparates.
Auch innere Organe können mit erkranken.
Man unterscheidet dabei die Gruppe der entzündlichen Rheumaerkrankungen
an den Gelenken, die Rheumaarten, die durch Verschleiß- oder
Abbauerscheinungen der Knorpelmasse entstehen, die Rheumaformen,
welche Bindegewebe, Schleimbeutel, Bänder, Sehnen und Muskeln betreffen
(Weichteilrheumatismus) und die Gicht. Mit Ausnahme der Gicht
können alle rheumatischen Erkrankungen gelindert, aber noch nicht geheilt
werden.
Für die Diagnostik und Therapie einer rheumatischen Erkrankung
stehen in Deutschland unterschiedliche Behandlungseinrichtungen zur
Verfügung. Die wichtigsten Elemente einer Rheumabehandlung
sind Medikamente, Krankengymnastik, Physikalische Therapie,
Ergotherapie, Psychologische Therapie, Operative Therapie und
Rehabilitation.
In Verbindung mit anthroposophischen Medikamenten aus Natursubstanzen
(wie z.B. Mistelextrakten, Bienen- oder Ameisengift in homöopathischer
Verdünnung) wird versucht, in der Regel auf schulmedizinische» Basismedikamente« (wie
Gold, Azulfidine, MTX) zu verzichten, und
die
Dosis von Schmerzmitteln und Cortison zu verringern.
Weiterhin spielen in der anthroposophischen Behandlung der chronischen
Polyarthritis äußere Anwendungen wie Wickel und Öldispersionsbäder,
die eine aktive Eigenwärmebildung des Organismus anregen, eine
besondere Rolle. Hinzu kommen Krankengymnastik, rhythmische
Massage, die Heileurythmie, das therapeutisch-biographisch orientierte
Gespräch und verschiedene künstlerische Therapien. Die anthroposophische
Medizin sucht auf Grundlage der modernen
naturwissenschaftlichen Kenntnisse ein erweitertes, ganzheitliches
Verständnis des gesunden und kranken Menschen. Unter Berücksichtigung
der Einheit von Geist, Seele und dem Leiblichen des
Menschen, bemüht sie sich primär um eine differenzierte Anregung
der Selbstheilungskräfte.
Sofern ein stationärer Krankenhausaufenthalt nicht erforderlich
ist,
kann die notwendige Diagnostik und Therapie auch in einer Tagesklinik
durchgeführt werden. Für alle teilstationären Behandlungseinrichtungen
gilt: Die Behandlung ist nur mit Einweisung durch den
behandelnden niedergelassenen Arzt möglich.Eine Verknüpfung von ambulanter
und Krankenhausbehandlung
bietet unsere interdisziplinäre Tagesklinik. Eine Direkteinweisung
durch niedergelassene Ärzte ist möglich.
Tagesklinische Abklärung entzündlicher, degenerativer oder
weichteilrheumatischer
Erkrankungen mit Schwerpunkt umfassender
physikalischer Therapie mit Krankengymnastik und Bädertherapie,
Ergotherapie, psychologisches Training, Sozialberatung und Rehabilitationsportgruppen.
Ergotherapeuten/Krankengymnasten/ Pysiotherapeuten
Bei vielen rheumatischen Erkrankungen ist neben einer exakten
Diagnose eine sinnvolle Kombination mehrerer gezielter Therapiemaßnahmen
erforderlich. Zu diesen Maßnahmen gehören u.a. Krankengymnastik
(Physiotherapie) sowie die Ergotherapie. Adressen physiotherapeutischer
sowie ergotherapeutischer Praxen erfahren Sie bei
Ihrem behandelnden Arzt, Ihrer Krankenkasse oder bei den unten
genannten Fachverbänden.
Berufsverbände der Ergotherapeuten.
Ziel der Ergotherapie ist es, die größtmögliche Selbständigkeit
des
erkrankten Menschen im täglichen Leben wieder zu erreichen. Beim
An- und Ausziehen, Kochen, Essen und Trinken sowie bei der Körperpflege
ist mit einigen Tricks und Hilfsmitteln oft eine erheblich verbesserte
Eigenständigkeit zu erreichen. Ergotherapeuten/-innen
beraten auch in Bezug auf zweckmäßige Veränderungen im Wohnbereich
und am Arbeitsplatz. Ergotherapie wird auf Verordnung des
Arztes durchgeführt.
Hand- und Gelenkchirurgie
Nicht selten sind bei rheumatischen Erkrankungen chirurgische
Eingriffe an den Händen und Gelenken erforderlich. Auskünfte über
erfahrene Hand- und Gelenkchirurgen im stationären und ambulanten
Bereich erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt
Strahlentherapie rheumatischer Gelenke (Radiosynoviorthese)
Die Radiosynoviorthese ist eine Methode zur Behandlung schmerzhafter,
entzündlicher Gelenkerkrankungen. Sie kommt insbesondere
bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, wie z.B.
chronischer Polyarthritis oder Psoriasisarthritis und bei aktivierten
Arthrosen (Osteoarthritis) zur Anwendung. Hierbei handelt es sich
um die Einspritzung schwach radioaktiver, kurzlebiger Substanzen
in entzündete Gelenke zur Unterdrückung der Entzündung.
Die
Methode wird in der Regel ambulant in Praxen für Nuklearmedizin durchgeführt.
Selbsthilfegruppen
Seit einigen Jahren finden sich zunehmend Menschen zur Bewältigung
bestimmter Lebenssituationen in Selbsthilfegruppen zusammen.
Dabei haben sich unterschiedliche Formen der Zusammenschlüsse
herausgebildet.
Selbsthilfegruppen leisten einen Beitrag zur Bewältigung der Krankheit.
Die Gruppenmitglieder kennen die Krankheit aus eigenem
Erleben, so dass eine Gemeinschaft entsteht, die das Ziel hat, im
gemeinsamen Gespräch selbst etwas für ihre Gesundheit zu tun
und Erfahrungen auszutauschen. Sie zeigen, dass auch mit einer
chronischen Krankheit ein sinnvolles und erfülltes Leben möglich
sein kann. Auch vielfältige Aktivitäten der Gruppen (z.B. Wandern,
Schwimmen, Tanzen, Singen) tragen dazu bei, eine krankheitsbedingte
Isolation zu überwinden und das angeschlagene Selbstwertgefühl
allmählich wieder aufzubauen.
Was Selbsthilfegruppen nicht leisten wolln: Medizinische Beratung;
psychologische Beratung und Psychotherapie; Beratung über
sozialversicherungs- und sozialhilferechtliche Ansprüche.
Rehabilitationseinrichtungen
Stationäre Rehabilitationseinrichtungen
Ambulante Rehabilitationsmaßnahmen gehen grundsätzlich einer
stationären Rehabilitationsmaßnahme vor. Der Vorteil eines stationären
Aufenthaltes liegt u.a. darin, dass alle Leistungen unter einem
Dach geboten werden. Neben breiten Therapiemöglichkeiten
bestehen auch umfangreiche diagnostische Möglichkeiten. Ärztliche
Betreuung und Hilfe durch Pflegepersonal ist jederzeit präsent. Der
Patient hat viel Zeit für seine Behandlung und kann auch Pausen
machen. Ein stationärer und nicht unbedingt ganz wohnortnaher Rehabilitationsaufenthalt
ist notwendig bei belastenden Alltagssituationen
sowohl des beruflichen als auch des privaten Umfeldes.
So ist gerade für Frauen die Entlastung von der alltäglichen Arbeit
im Haushalt und in der Familie oft sehr wichtig.
Weiter Auskünfte und Beratung über die unterschiedlichen stationären
Rehabilitationsangebote für Menschen mit rheumatischen
Erkrankungen erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt oder den
Rehabilitationsträgern, z.B. Ihrer Krankenkasse, dem Träger der
Rentenversicherung usw.
Ambulante/teilstationäre Rehabilitationseinrichtungen
Mit Hilfe ambulanter/ teilstationärer Rehabilitationsangebote
besteht die Möglichkeit, Rehabilitationsleistungen in Anspruch zu
nehmen, ohne die gewohnte häusliche Umgebung verlassen zu
müssen. Sie erlaubt die Einbeziehung des sozialen, familiären
oder beruflichen Umfeldes. Voraussetzung ist jedoch, dass entsprechend
dem Krankheitsbild ausreichende Therapiemöglichkeiten
und ein ärztlich betreutes Reha-Team zur Verfügung stehen und
eine stationäre Rehabilitation nicht erforderlich ist oder aufgrund
beruflicher oder sozialer Gründe nicht durchgeführt werden kann.
Auch setzt die Entscheidung für eine teilstationäre Maßnahme
noch eine ausreichende Belastbarkeit und Stabilität des Patienten
voraus.
Sport und Bewegung
Rehabilitationssport
Rehabilitationssport wird ärztlich verordnet und von den Krankenkassen
gefördert. Vor der Aufnahme einer sportlichen Aktivität sollten
Sie daher unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen.
Rheuma-Therapiegruppen
In Hamburg haben sich in vielen Stadtteilen sogenannte »Rheuma-
Therapiegruppen« gebildet, in denen unter krankengymnastischer
Leitung ein regelmäßiges Bewegungstraining angeboten wird. Eine
derartige Trainingsmaßnahme umfasst sowohl Wassergymnastik als
auch Trockengymnastik und setzt eine Indikationsstellung und Verordnung
Ihres behandelnden Arztes voraus. Alle Krankenkassen und
die Rentenversicherungsträger fördern die Therapiegruppen, indem
sie sich an den finanziellen Aufwendungen durch die Zahlung von
Pauschalbeträgen beteiligen. Für die teilnehmenden Rheumakranken
wird eine geringe Eigenbeteiligung erhoben. Zusätzlich beraten die
Rheuma-Therapiegruppen über die Ausstattung und Einübung im
Gebrauch technischer Hilfen.
Auskünfte und ergänzende Informationen erhalten Sie bei Ihrer
Krankenkasse, Ihrem Rentenversicherungsträger sowie bei der
Deutschen Rheuma Liga
Ernährung
Gesicherte Erkenntnisse über die Zusammenhänge
zwischen
Ernährung und rheumatischen Erkrankungen gibt es bis heute nur
für die stoffwechselbedingten rheumatischen Krankheiten, wie
beispielsweise die Gicht. Über die Zusammenhänge zwischen
Ernährung und entzündlichen rheumatischen Krankheiten, die
mit Störungen des Immunsystems einhergehen oder durch sie ausgelöst
werden, bestehen bis heute nur Vermutungen, jedoch keine
Beweise.
Unbestritten ist der indirekte Einfluss der Ernährung auf alle
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Ein solcher
indirekter Zusammenhang besteht zum Beispiel über ein zu hohes
Körpergewicht. Dies ist immer schädlich für das Bewegungssystem,
weil es eine hohe mechanische Belastung der Gelenke
zur Folge hat.
Auch wenn es keine spezielle »Rheumadiät« gibt, so kann
doch eine gesunde Lebensweise und bei einigen Krankheitsbildern
auch eine bestimmte Ernährungsweise den Krankheitsverlauf
günstig beeinflussen. Wir haben daher im Folgenden einige Lesetipps
der Deutschen Rheumaliga aufgeführt. Weitere interessante
Informationen zu diesem Thema finden Sie auch über folgende
Internetseiten:
www.rheuma-liga.de
www.rheuma-online.de
Kinder und Jugendliche mitrheumatischen Erkrankungen
Rheuma ist keine
Alterskrankheit, es befällt vielmehr schon Menschen
im jüngeren Lebensalter; auch Kinder sind davon betroffen. Eine
frühzeitige und sorgfältige Therapie ist hier besonders wichtig,
um
Deformierungen oder Schädigungen der Gelenke vorzubeugen.
Rheumakranke Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern sehen
sich häufig mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. In der
Behandlung von Kindern und Jugendlichen erfahrene Ärzte sind daher
genauso wichtig, wie Selbsthilfegruppen und Elternkreise. Die Leistungen der
gesetzlichen Krankenversicherung umfassen
grundsätzlich auch die aus medizinischen Gründen notwendige
Mitaufnahme einer Begleitperson des Kindes im Krankenhaus. Ob
die Mitaufnahme eines Elternteils sinnvoll und erforderlich ist, muss
im Einzelfall entschieden werden.
Eine Liste mit Büchern zum Thema Rheuma finden Sie auch über
die Homepage der Deutschen Rheumaliga unter
www.rheuma-liga.de
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